In Corona-Zeiten erhoffen sich zunehmend mehr Städter Glück und Wohlbefinden durch den Umzug aufs Land. Bestätigt werden sie von der Forschung – diese attestiert der Dorfbevölkerung ein um 40 Prozent niedrigeres Depressionsrisiko. Was außer dem Stadtleben oftmals tief gehende Verstimmungen verursacht….

Das Landleben liegt im Trend, wie die Vielzahl an Zeitschriften und Statistiken belegen, aber ist es wirklich ein Glücksbringer? „Generell kommt das auf die eigene Erwartungshaltung an.“ so Dr. Hagemann. Erhoffe ich mir durch den Umzug aufs Land ein idyllisches Dorf-Leben wie im Heimatroman, so ist das Risiko frustrierender Enttäuschungen natürlich groß. Habe ich jedoch eine realistische Vorstellung, so können mich die dortigen naturnahen Lebensumstände, die Ruhe und Abgeschiedenheit in der Tat glücklicher und zufriedener machen. Aber es gibt ja noch weitere Faktoren, weshalb das Stadtleben depressive Erkrankungen eher begünstigt – etwa sozialer Stress, soziale Isolation, weniger Regenerationsmöglichkeiten etc. Studien gehen davon aus, dass das Depressionsrisiko bei Menschen, die auf dem Land leben, um ca. 40 Prozent niedriger liegt als bei Stadtbewohnern (Psyche im Fokus – Das Magazin der DGPPN, Stress in der Großstadt, Ausgabe 2/15 bzw. hieraus folgende Studie: Peen J, Schoevers RA, Beekman AT et al. (2010) The current status of urban-rural differences in psychiatric disorders. Acta Psychiatr Scand 121:84-93).

Die Auslöser von Depressionen sind neben der genetischen Veranlagung im Allgemeinen die Wechselwirkung biologischer Faktoren (Hirnstoffwechselstörungen) sowie psychosoziale Momente. Dazu zählen etwa die private Trennung vom Lebenspartner oder der Jobverlust. Natürlich haben „Schicksalsschläge“ wie der Tod des Partners oder die Kündigung des Jobs gravierenden Einfluss auf unser psychisches Wohlbefinden. Doch vielfach führen auch alltägliche Überforderungen wie etwa die Pflege eines schwer erkrankten Angehörigen oder andauernde finanzielle und gesundheitliche Sorgen in die psychische Krise.

Ist auch notorischer Pessimismus ein wesentlicher Erkrankungsfaktor?

Generell gilt: Ob „rheinische Frohnatur“ oder „tiefsinniger Pessimist“ – vor einer Depressionserkrankung ist niemand gefeit. Menschen mit negativen Denkmustern sind aber in besonderem Maß gefährdet.  Ebenso wie etwa Menschen mit hoher Leistungsorientierung oder dem Hang zum Perfektionismus.

Können auch Schilddrüsen-Fehlfunktionen depressiv machen? Fehlfunktionen dieses kleinen Organs können in der Tat nicht nur zu körperlichen Beschwerden wie Herzrasen oder Gewichtsverlust führen, sondern auch unsere Psyche stark beeinflussen. Schließlich aktiviert bzw. beeinflusst die Schilddrüse den Nervenzellen-Stoffwechsel und damit   unser Empfinden und unsere Stimmungen. Bei einer Unterfunktion können depressive Verstimmungen verstärkt oder in manchen Fällen auch ausgelöst werden.

Depressionen betreffen alle Generationen

Weltweit sind die Zahlen für Depressionen ähnlich. Zwischen 16 und 20 Prozent der Menschen werden in ihrem Leben eine depressive Erkrankung haben. Dabei haben etwa 50 Prozent die erste Depression vor dem 31. Lebensjahr. Im Alter wächst jedoch das Risiko depressiv zu werden. Zehn bis 20 Prozent aller Rentner über 65 sind schätzungsweise betroffen. Eine der Ursachen liegt sicherlich an der täglichen Konfrontation mit Krankheit und Verlust sowie Einsamkeit und   Isolation. Nicht selten führen die Pensionierung bzw. der Tod des Lebenspartners zu einer Depression oder verstärken diese.

Ursachen einer Depression

Richtig ist, dass eine mediterrane Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Fisch und Olivenöl nicht nur gut für Herz und Kreislauf ist, sondern auch Depressionen entgegenwirken kann. Heilen lässt sich diese Erkrankung aber natürlich nicht durch den Verzehr von Vitaminen oder viel Omega-3- und 6-Fettsäuren. 

Jeder dritte Deutsche leidet unter dem sogenannten Winterblues oder der Herbstdepression. Ursache sind die wenigen Sonnenstunden, sprich der ausgeprägte Lichtmangel. Dieser führt dazu, dass der Körper vermehrt das stimmungssenkende Schlafhormon Melatonin produziert, dafür aber weitaus weniger des Wohlfühl-Hormons Serotonin. Die Folge: eine saisonal abhängige Depression (SAD), so der medizinische Fachbegriff. Dem kann ich zum Beispiel mit einer Lichttherapie entgegenwirken. In skandinavischen Ländern gibt es „Lichtbars“ mit extrem hellem Licht, da die Auswirkungen durch die teilweise monatelange Abwesenheit von ausreichendem Tageslicht schon lange bekannt sind.

Eine saisonal abhängige Depression äußert sich ähnlich wie die „klassische“ Schwermut – nämlich durch Antriebs- und Energielosigkeit, Interessenverlust, Niedergeschlagenheit und Ängste. Für Depressionen ungewöhnlich sind das ausgeprägte Schlafbedürfnis und ein verstärkter Appetit (insbesondere auf süße und kohlenhydratreiche Kost).